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Lohnt es sich, auf gewisse Lebensmittel zu verzichten?

Dieses Thema im Forum "Lebensmittel, Ernährung + Rezepte" wurde erstellt von Nachhaltig_Leben, 1 Oktober 2016.

  1. Nachhaltig_Leben

    Nachhaltig_Leben Neues Mitglied

    Hallo,
    ich würde gerne verschiedene Meinungen zu meiner Frage durchlesen, da mich dieses Thema in letzter Zeit wirklich sehr stark beschäftigt.

    Aber zuerst erzähle ich ein wenig von mir selbst.
    Ich wohne in einer Wohngemeindschaft zusammen mit noch einer Frau und einem Mann.
    Wir ernähren uns ausgewogen und gesund.
    Meine Wohnpartner kaufen schon seit mehreren Jahren in Bio Läden oder bei Bauern in der Region ein, weil sie sich gegen den Konventionellen "Kram" entschieden haben.
    Ich bin 15 Jahre alt und lebe erst seit 3 Monaten "Bio" und bin sehr zufrieden damit und werde meine Einstellung auch nicht mehr ändern.

    Aber wir gehen nicht nur oberflächlich mit den Lebensmitteln um, sondern wir achten auf die Herkunft und die Qualität.

    Bloß, seit kurzem meint meine Wohnpartnerin, dass sie komplett auf Milchprodukte verzichten möchte.
    Die Gründe dafür sind, da Krankheiten EVENTUELL über die Milch der Kühe übertragen werden KÖNNEN.
    Und wie wir ja alle wissen, herrscht hier in Deutschland überwiegend eine grausame Massentierhaltung.
    Sie meint auch, dass ihr die Kühe leidtun.
    Kühe werden ja beinahe immer "zwangsbeglückt" damit sie durchgehend Milch geben können.
    Nach der Geburt werden den Kühen die Kälber sofort weggenommen, aber wenn sie Glück haben, dürfen sie eine Woche bei der Mutter bleiben.
    Anfangs wollten meine beiden Wohnpartner nur auf Kuhmilchprodukte verzichten, da diese ja nur A1 Milch geben.
    Stattdessen wollten diese nur auf Ziegen und Schafmilch umsteigen, da diese Tiere ja A2 Milch geben.

    Nun meinen die beiden aber - nicht nur auf ALLE Milchprodukte "verzichten" sondern jetzt auch jegliches Getreide (außer Reis, da dieser kein Gluten enthält)
    Das ist auch der Grund, warum sie auf normales Getreide "verzichten" wollen, wegen dem Gluten.
    Weil es ja tödlich bzw. schlecht für den Körper sein KÖNNTE.

    Obwohl beide weder Glutenunverträglich noch Laktoseintolerant sind.

    Ich halte davon nichts, auf diese Lebensmittel zu verzichten, obwohl ich keine von diesen beiden Unverträglichkeiten habe.
    Ich möchte nicht auf Lebensmittel verzichten, die mir EVENTUELL schaden könnten.
    Und diese Wahrscheinlichkeit liegt bei 1:1000000.

    Wir Menschen sind Allesfresser.
    Ich bin froh, dass wir jetzt noch das Glück haben, das zu essen, was wir wollen.
    Früher konnten sich das nicht alle erlauben.

    Ich finde, dass es Schwachsinn ist, auf diese Dinge zu verzichten, da diese Dinge ja meinen beiden Wohnpartnern schmecken.
    Ich möchte auch weiterhin so leben, ohne auf etwas zu verzichten.

    Ich hoffe, dass ich ein paar Meinungen zu dem Thema lesen kann.

    Lg. J. :)
     


  2. Sunny

    Sunny Mitglied

    Hallo J.,

    ob und in welchem Umfang man auf verschiedene Lebensmittel verzichtet / verzichten will, hängt sicher zunächst einmal davon ab, was einem wichtig ist.

    Ich persönlich halte diese ganzen Gluten/Cholesterin und Co Argumente für Quatsch.

    Ich denke, die Natur hat den Bedarf des menschen an das Angebot aus der Natur optimal angepasst - genau, wie bei jeder Tierart.

    Mit anderen Worten:
    Wenn ich das esse/trinke, was vor meiner Tür zu dieser Jahreszeit natürlich wächst, dann ist es m.E. optimal - und nicht nur für meine Gesundheit, sondern auch für die Ökobilanz.

    Also praktisch: regional und saisonal.

    Ich würde z.B. keine Tomaten im Winter essen und auch keine Tomaten, die irgendwo her angekarrt werden.

    Wenn ich Tomaten esse, dann sind sie in meinem Garten oder bei "meinem Nachbarn" natürlich und ungespritzt gewachsen.

    Reis würde ich persönlich gar nicht essen:
    er gehört hier nicht her, er ist i.d.R. aufgrund der Region wo er wächst schwer Schadstoffbelastet,die Bedingungen, unter denen Reis für den Weltmarkt angebaut wird, sind für die Arbeiter menschenunwürdig, viel Natur wird für die Reisfelder zerstört

    Was tierische Produkte und Fleisch anbelangt:

    Deine Freundin hat dahingehend recht, dass ohne Kalb keine Milch und und Milch keine Milchprodukte möglich sind.

    Ich würde allerdings auf Fleisch und Milchprodukte nicht verzichten wollen, da ich denke, dass sie zu unserem natürlich vorgegebenen Speiseplan gehören - insbesondere Fleisch.

    Allerdings schaue ich mir genau an, wo meine diesbezüglichen Produkte herkommen.

    Auch hier beziehe ich nur und ausschließlich lokal und saisonal (heisst z.B. gibt keine Eier oder Eierprodukte, wenn die Hühner gerade Legepause haben)

    Ich habe mir die Mühe gemacht und mir die Höfe und die dortige Tierhaltung ganz genau und persönlich angeschaut/besichtigt, bevor ich entschie, dort einzukaufen.

    Viele Tiere, die ich später auf dem Teller habe, kenne ich beim Namen und habe sie zu Lebzeiten gesehen.

    Außerdem habe ich mir den Schlachthof (hier vor Ort) in Aktion angeschaut, wo die Tiere, die ich später esse hingebracht und geschlachtet werden.

    Ich habe kein Problem damit, ein Tier zu essen - das ist m.E. Bestandteil des natürlichen Kreislaufs.

    Aber ich habe ein Problem damit, wenn mit den Tieren respektlos umgegangen wird - das unterstütze ich nicht mit meinem Geld - außerdem glaube ich, dass unglückliches Vieh auch unglückliches Fleisch liefert.

    Die Trennung von Kalb und Kuh ist übrigens nicht zwingend, um Milch zu gewinnen.

    Ich empfehle zu diesem gesamten Thema mal
    "Die Fleischlüge" von Hans Ulrich Grimm.

    Auf Biosiegel gebe ich übrigens mittlerweile nichts mehr.

    Seit der Biomarkt boomt und die Leute in Massen bereit sind, mehr für Bio auszugeben, haben das Feld auch Supermärkte für sich entdeckt.

    Mittlerweile ist Bio ein teures Massenprodukt mit noch teurerem Siegel.

    Das Siegel sagt zunehmend weniger darüber aus, ob das Produkt wirklich Bio und tierfreundlich produziert wurde, sondern nur, dass der Hersteller eine Menge Geld in die Hand genommen hat, um sich das Siegel zu "kaufen".

    Ein kleiner Landwirt, der wirklich als kleiner Familienbetrieb wirtschaftet, könnte so perfekt Bio sein, wie es nur geht - er könnte sich, da er ein zu kleiner Betrieb ist mit tier- und naturfreundlichen Produktionsmethoden vermutlich die Biosiegel heute gar nicht mehr leisten.

    Darum lege ist meine Priorität bei der Produktauswahl heute "regional und saisonal" und "Bio" spielt für mich eine untergeordnete Rolle.

    Wobei ich einschränkend sagen muss: "regional" bedeutet für mich als Norddeutsche nicht, dass das Produkt aus Bayern kommt, sondern, dass es aus einem meiner Nachbarorte kommt - und eben, dass ich mir die Lieferanten mit eigenen Augen anschaue.

    ....und, ich gehe praktisch immer davon aus, dass Produkte, die ich im Supermarkt kaufe - egal, ob Bio- oder konventioneller Supermarkt - Massenprodukte sind mit entsprechenden Einschränkungen in der Produktion - ausgenommen sind hiervon lediglich die paar Produkte, die so ein Supermarkt mal vorübergehend (saisonal) von einem lokalen Erzeuger anbietet - dann aber i.d.R. auch nur in dem einen Geschäft und nicht in der ganzen Kette.



    LG
    Sunny
     
    Zuletzt bearbeitet: 2 Oktober 2016
  3. storm

    storm Mitglied

    Liebe Leser

    Ich habe auch eine Meinung dazu. Ich habe mich auch eine weile Bio ernährt und muss sagen, dass man schon bisschen fitter war und man auch was am Gewicht gesehen hat aber so richtig habe ich keinen Unterschied gesehen.
    Da mein Cholesterin erhöht ist, muss ich sowieso auf meine Ernährung achten und schauen, dass ich viele Nüsse esse, Fisch, Obst und Gemüse - da bleibt nicht viel Platz für ungesundes Essen :d

    Auf jeden Fall aber kann man diese Ernährung als gut bezeichnen - man muss einfach nur eine seriöse Quelle finden wo man die Produkte alle bekommen kann.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20 Januar 2017
  4. Immsie

    Immsie Neues Mitglied

    Also ich sehe das eigentlich ähnlich wie du, auch wenn ich mich selbst überwiegend vegan ernähre - wir haben glücklicherweise die Entscheidung, wie wir uns ernähren wollen und müssen nicht das essen, was da ist.

    Gerade weil ich mich überwiegend vegan ernähre, kenne ich auch sehr viele missionierende Leute und halte davon überhaupt nichts, es gibt sogar recht viele Veganer, die in den Supermarkt gehen und dort beim Fleischer die Leute beleidigen ... Naja, also ich halte von dieser Herangehensweise absolut gar nichts und denke auch nicht, dass das besonders nachhaltig ist, wenn man die Welt "veganisieren" wollte ...

    Grundsätzlich sollte aber jeder genau das essen, worauf er/sie Lust haben, auch wenn ich es natürlich wesentlich besser fände, sich mit der ganzen Theamtik selbst auseinanderzusetzen. Schließlich bin ich auch nicht alleine auf den Trichter gekommen, mich vegan zu ernähren. Das geschah durch Gespräche mit Veganern an der Uni, die mir ganz sachlich ein paar infos gegeben hatten. Leider bekommt man ja medial oft nicht so viel mit und es wird da sehr viel geschönt, vertuscht, etc. sodass man seine Ernährung teilweise gar nicht in Frage stellt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass du dich jetzt häufiger mit dem Leid der Kühe auseinandersetzt ;) Zumindest gedanklich, so ging es mir jedenfalls am Anfang.

    Da hatte ich die Argumente zwar hingenommen, mir aber die ganze Zeit gedacht "Ach, ich esse einfach weiter wie bisher" und dann aber mit jedem Bissen oder Schluck Milch mehr immer so eine Art Reminder an diese Gespräche ... Was ich eigentlich damit sagen will, ist dass man sich definitiv nichts vorschreiben lassen sollte, wie du es ja schon geschrieben hast. Aber man sollte sich auch mit der Thematik auseinandersetzen und dahingehend eine Entscheidung treffen, die man selbst vertreten kann wenn man damit konfrontiert wird.

    Allerdings finde ich dieses Schubladendenken auch nicht sonderlich zielführend - Also entweder Gluten essen oder verzichten. Schließlich kommt es auch auf die Menge an und logischerweise sehr mehr, desto wahrscheinlicher sind auch verschiedene Dinge. Ich muss aber auch sagen, dass es einfach interessant ist, sich mal genauer mit Ernährung auseinanderzusetzen, schließlich gibt es selbst in diesem Forum genug Fragen zu verschiedensten Lebensmitteln. Da wird beispielsweise gefragt welche Diät gesund sei oder mit welchen Abnehmprodukten man am besten abnehmen kann ... Ich denke, dass sich die meisten Fragen erübrigen, wenn man einfach mal ein bisschen mehr über Ernhrung allgemein wüsste. Ich denke mir das beispielsweise immer bei diesen ganzen Fitnesssportlern, die sich ohne Ende Proteine reinpfeifen, obwohl man mit einer entsprechenden proteinreichen Ernährung definitiv den erhöhten Eiweißbedarft bis zu einem gewissen Grad erreichen kann. Aber für viele ist es halt einfacher, sich irgendwelches Pulver reinzuschmeißen und sich nicht damit auseinanderzusetzen.

    Beispielsweise ist ja auch gerade dieser ganze Superfoodtrend ziemlich am wachsen. Gerade Lebensmittel wie Amaranth, Qunio, Goji Beeren etc. gibt es ja inzwischen überall zu kaufen und besonders die stellen eine lukrative Alternative zu bestimmten Lebensmitteln dar. Weil du oben Reis angesprochen hast - man kan kann beispielsweise viele Gerichte anstelle von Reis mit Quinoa machen und erhält dabei gleichzeitig noch eine besondere Nährstoffbombe ;) Und dabei sind das nur ein paar wenige von diesen Superfoods Supernahrung.com | Eine Superfood Liste mit mehr als 100 Superfoods Da gibt es noch wesentlich mehr, die man sich mal anschauen könnte.
     
  5. SusanneF

    SusanneF Neues Mitglied

    Hallo meine Lieben,

    ich sehe das grundsätzlich ähnlich, man muss jedoch immer abwägen in welchem Entwicklungsstadium sich eine Gesellschaft befindet - der Trend zum Veganen ist schon lange kein Trend mehr, sondern ein Lifestyle, der vielversprechend für den Umweltschutz ist - Fleischproduktion ist unumstreitbar ineffektiv, um Massen zu ernähren und nebenbei (besonders bei Rindern) umweltschädlich. Dennoch müssen Entwicklungen, wie die zum flächendeckend anerkannten veganen Lebensstil, organisch verlaufen - damit meine ich nicht den Begriff "Bio", sondern dass Menschen Gewohnheiten erst ablegen müssen, sowas braucht Zeit. Wenn Amerika in einem Land die Demokratie einführt, mit dem Guten Gewissen, dieses Land nun befreit zu haben, sollten sie nicht erwarten, dass jeder Einwohner sich direkt mit den demokratischen Grundsätzen identifiziert. Genau so ist es bei Menschen bzw. Generationen, die jahrzehnte mit Fleisch und vermutlich sogar Billigfleisch aufgewachsen sind. Ich finde die Produktion von biofleisch aus nachhaltigen Quellen daher sehr wichtig und ich finde, man sollte diese Entwicklung weiterhin unterstützen, denn wenn es die Bevölkerung nicht tun, dann sieht dieser Sektor keiner Förderung entgegen und die Massentierhaltung wird weiterhin mit Grünem Licht empfangen... Eine gute Alternative für Städter, die es vermeiden Kilometerweit zum Bio-Bauern oder -Metzger fahren zu müssen, sind meiner Meinung nach Biofleisch-Onlineshops, die nach dem sogenannten Crowdbutching-Prinzip funktionieren. Weil dass auch Biofleisch im supermarkt weggeworfen werden "muss", ist ein Problem - würde durch den Onlinekauf jedoch gelöst werden.

    Liebe Grüße
    Eure Suse
     
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